- Protokollführer:
- Jemand, der froh ist, die Nacht überlebt zu haben
- Teilnehmer:
- Tony (Gastgeber)
- Patrick
- Oli
- Stephan
Die letzte Pokernacht begann wie üblich: vier Männer, die so tun, als hätten sie eine Strategie, und ein Tisch, der mehr Leid gesehen hat als jeder Familienrat. Tony betrat den Raum mit der Ausstrahlung eines Mannes, der sicher war, heute zu gewinnen – was traditionell ein zuverlässiges Omen für das Gegenteil ist. Patrick und Stephan wirkten entspannt, was ebenfalls traditionell ein schlechtes Zeichen für alle anderen ist. Und dann war da Oli, der bereits beim Hinsetzen den Ausdruck eines Mannes hatte, der innerlich Abschied von seinem Geld nahm.
Die ersten Runden verliefen harmlos. Tony bluffte so transparent, dass selbst der Stuhl neben ihm versuchte, wegzurutschen. Patrick und Stephan spielten solide und unbeeindruckt, während Oli langsam begann, die typische Phase einzuleiten: die Mischung aus Verzweiflung, mathematischer Selbstüberschätzung und stillem Gebet an jede bekannte Gottheit – plus ein paar improvisierte.
Nach zwei Stunden war klar: Das Schicksal hatte entschieden, und es war nicht pro-Oli. Seine Chips verdampften schneller als seine Hoffnung, und jedes Mal, wenn er „All-In“ ging, reagierte das Universum mit ehrlicher, herzlicher Schadenfreude. Patrick und Stephan dagegen stapelten ihre Chips so hoch, dass kurz Zweifel aufkamen, ob diese Konstruktionen statisch überhaupt zulässig waren.
Tony gelang es immerhin, nicht Letzter zu werden – ein persönlicher Triumph, der vermutlich in die Vereinschronik eingeht, falls die jemand führt.
Endergebnis:
- Gewinner: Patrick und Stephan – chirurgisch präzise, seelenruhig, gnadenlos.
- Verlierer: Oli – offiziell ausgeschrieben als „tragische Gestalt des Abends“, inoffiziell als „der Mann, der Poker neu als Extremsport erlebte“.
Zum Abschluss verließ die Runde den Tisch wie ein Schlachtfeld: Die Sieger mit einem leichten Lächeln, Tony mit realistischer Resignation – und Oli mit dem dringenden Wunsch, entweder Rache zu schwören oder nie wieder Karten anzufassen. Beide Szenarien wirken plausibel.
Der nächste Vereinsabend wird spannend. Vor allem, weil Oli angekündigt hat, diesmal „richtig vorbereitet“ zu kommen. Niemand weiß genau, ob er damit Pokerstrategien oder Opfergaben meint.

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