Pokerabend vom 25. Oktober 2025 – Kellerkinder, Leberversagen auf Zeit
Ort des Geschehens: Tonys Kinderzimmer im Keller.
Ein Raum, der laut Bauplan für Bastelarbeiten und Gute-Nacht-Geschichten gedacht war. Tatsächlich diente er an diesem Abend als Versuchslabor für die Frage, wie schnell erwachsene Männer ihre Selbstachtung in Alkohol auflösen können.
Teilnehmer
Tony, Oli, Thomas und Patrick.
Vier Männer, die alle irgendwann einmal Träume hatten. Keiner davon beinhaltete diesen Abend – und doch saßen sie da.
Es wurde nicht gefeiert, es wurde eskaliert.
Der Alkoholkonsum erinnerte an eine Mischung aus Oktoberfest, Beerdigung und schlechtem Gruppentherapie-Ersatz. Gläser wurden schneller geleert als Gedanken gefasst. Die Leber weinte still, während das Hirn kollektiv kündigte.
Oli spielte Poker wie ein sadistischer Buchhalter: emotionslos, präzise und mit der Freude eines Mannes, der weiß, dass er hier gerade Existenzen zerstört – wenn auch nur kleine, lächerliche Pokerexistenzen. Gewinner des Abends. Keine Gnade, kein Mitleid, keine Zeugen.
Patrick hingegen lieferte eine Performance, die man eigentlich melden müsste. All-ins ohne Sinn, Bluffs ohne Seele, Entscheidungen wie von jemandem, der aktiv gegen sich selbst arbeitet. Verlierer des Abends, der Woche, vermutlich des Monats. Das war kein Verlieren – das war Selbstentkernung.
Thomas blieb im Niemandsland. Zu schlecht zum Gewinnen, zu egal zum Verlieren. Er war da. Tony wechselte minütlich zwischen Gastgeber, Spieler und Mann, der langsam begreift, dass er diesen Abend morgen nüchtern erleben muss – in Erinnerungen.
Dabei hatte er extra die Toilette für seine Gäste geputzt.
Frisch. Sauber. Optimistisch.
Eine der tragischsten Fehleinschätzungen des Abends. Diese Toilette war für zivilisierte Wesen gedacht, nicht für vier wandelnde Fehlentscheidungen mit Promille. Sie wurde benutzt, missachtet und seelisch gebrochen. Sauber war sie danach nur noch im juristischen Sinne.
Der Geruch im Raum war so dicht, dass er sich hätte schneiden lassen. Alkohol, Schweiß, Reue und der subtile Duft gescheiterter Lebensführung. Das Kinderzimmer hat Dinge erlebt, für die es keine Therapie gibt. Spielzeug an der Wand hat weggeschaut.
Fazit
Oli gewinnt und nimmt alles mit, was nicht festgeschraubt ist.
Patrick verliert so hart, dass es fast schon Kunst war.
Tony putzt im Voraus für einen Untergang, der längst beschlossen war.
Thomas blieb nichts anderes übrig, als in seinen mitgelieferten Pantoffeln durch den Keller zu schlurfen und seine Gegner moralisch wie seelisch auf das vorzubereiten, was noch kommt. Passive Aggression in Filzform. Er redete sich den Frust von der Seele, verteilte Blicke voller stiller Rache und säte Zweifel wie ein kaputter Motivationscoach aus der Hölle.
Aus purer Rache und blankem Hass wird das Schicksal seinen Lauf nehmen und einen bürokratischen Umweg: Die Steuererklärungen seiner Gegenspieler landen vermutlich im Jahr 2026 rein zufällig auf seinem Tisch. Rein professionell natürlich. Ganz korrekt. Aber mit genau der richtigen Mischung aus pedantischer Gründlichkeit, übertriebener Genauigkeit und der inneren Freude eines Mannes, der weiß: Manche Rechnungen zahlt man nicht mit Geld, sondern mit Formularen.
Und am Ende bleibt die Gewissheit:
Das war absurd, unnötig, vollkommen drüber – und wird garantiert wieder passieren.
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