Austragungsort des Elends war Tonys Kinderzimmer im Keller.
Ein eigentlich harmloser Raum, der an diesem Abend aussah, roch und sich anfühlte wie eine Mischung aus Spelunke, Schnapsleiche und gescheiterter Lebensplanung. Gastgeber Tony hatte eingeladen, und wir sind gekommen mit der festen Absicht, unsere Lebern kollektiv zu beleidigen.
Der Verlauf des Abends:
Der Alkohol floss von Anfang an schneller als jeder sinnvolle Gedanke. Bier, Schnaps, irgendwas Selbstgebranntes aus Polen, das vermutlich als Reinigungsmittel gedacht war – alles wurde ohne Rücksicht auf Verluste konsumiert. Die Pokerstrategie entwickelte sich parallel zum Promillewert: steil bergab.
Patrick spielte ruhig, konzentriert und mit der kalten Präzision eines Mannes, der entweder sehr gut pokert oder innerlich längst aufgegeben hat. Während andere ihre Chips mit der Großzügigkeit eines bankrotten Wohltäters verschenkten, sammelte Patrick sie ein wie Pfandflaschen nach einem Festival.
Das Mittelfeld (aka: die Hoffnungslosen mit Restwürde)
Oli, Raed und Tony pendelten irgendwo zwischen „vielleicht geht noch was“ und „warum habe ich schon wieder All-in gesagt“. Solides Chaos, regelmäßige Selbstbeschimpfung, gelegentliche Glanzmomente, die sofort wieder durch dumme Calls zunichtegemacht wurden. Besonders Tony hatte das seltene Talent, gleichzeitig Gastgeber, Spieler und lebendes Mahnmal gegen Alkoholmissbrauch zu sein.
Der Verlierer des Abends:
Thomas. Eindeutig Thomas. Kartenpech, falsche Entscheidungen und eine bemerkenswerte Fähigkeit, immer genau dann zu verlieren, wenn es richtig wehtat. Am Ende saß er da wie ein Mann, der gerade verstanden hat, dass Glück nicht käuflich ist – aber Verluste sehr wohl. Seine Chips waren weg, seine Würde angeschlagen, und sein Blick sagte: „Ich hätte heute einfach krank machen sollen.“
Externe Beobachterin:
Tonys Frau Mona nahm ab und zu den Geruch war der von unten nach oben ins Wohnzimmer stieg, jedes Mal mit wachsendem Entsetzen. Der Geruch aus Alkohol, Männerschweiß und verbrannter Hoffnung traf sie wie eine Ohrfeige. Der Alkoholkonsum wurde von ihr nicht kommentiert – vermutlich, weil Worte dafür nicht mehr ausreichten.
Fazit
Thomas verliert nachhaltig. Die anderen existieren irgendwo dazwischen. Tony muss am nächsten Tag lüften, putzen und sich erklären. Mona wird diesen Abend noch weitere 3 Tage riechen. Und wir alle haben erneut bewiesen: Poker ist ein Glücksspiel – aber mit genug Alkohol wird selbst das zur Nebensache.
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