Protokoll eines Abends, der für manche zu lang, für andere zu kurz und für Thomas eindeutig tödlich war – moralisch jedenfalls.
Der Abend begann erstaunlich friedlich, fast schon untypisch für die illustre Runde des Papa-von-…-Vereins. Patrick kam mit der Gelassenheit eines Mannes, der genau weiß, dass er gewinnen wird. Oli dagegen wirkte wie jemand, der gerade erst realisiert hat, dass man beim Poker nicht würfeln darf, aber trotzdem entschlossen ist, so zu tun, als hätte er einen Plan. Tony hatte die gewohnte Haltung eines Mannes, dessen größter Feind sein eigenes Selbstvertrauen ist. Und dann war da Thomas – frisch, motiviert und völlig ahnungslos, dass er in wenigen Stunden pokertechnisch komplett auseinandergenommen werden würde.
Die ersten Hände verliefen unspektakulär, wenn man davon absieht, dass Tony bereits nach zehn Minuten so wirkte, als hätte er sich aus Versehen an einen Pokertisch gesetzt, obwohl er eigentlich zum Flohmarkt wollte. Patrick dagegen verteilte Chips in seine eigenen Stapel wie ein Steuerprüfer mit leicht sadistischer Ader. Oli, vom Schicksal der letzten Runde offenbar genug gedemütigt, schien diesmal einen dunklen Pakt geschlossen zu haben – möglicherweise mit mathematischen Wahrscheinlichkeiten, möglicherweise mit einer Unterweltgestalt. Egal wie: Es funktionierte.
Und dann kam Thomas’ Abstieg.
Er begann harmlos: ein paar verlorene Hände, ein paar peinliche Calls. Doch schnell entwickelte es sich zu einem kompletten Zusammenbruch. Seine Chips verdampften so schnell, dass kurz der Verdacht bestand, Patrick und Oli hätten unter dem Tisch einen Staubsauger laufen. Jeder Bluff von Thomas war derart schlecht, dass selbst der tote Blick eines ausgestopften Fisches seine Absichten hätte durchschauen können. Gegen Ende saß er nur noch da, starrte auf zwei erbärmliche Karten und sah aus wie ein Mann, der innerlich akzeptiert hat, dass Hoffnung ein Konzept für andere Menschen ist.
Tony blieb zwar ebenfalls auf der Verliererseite, aber zumindest gelang es ihm, nicht in die absolute Hölle abzurutschen – diese Ehre blieb Thomas vorbehalten. Tony verlor nur Geld. Thomas verlor Geld, Würde, Zukunftsperspektiven und möglicherweise sein Existenzrecht in zukünftigen Pokerrunden.
Endergebnis:
Gewinner: Patrick und Oli – kaltblütig, effizient, nahezu ungesund glücklich.
Verlierer: Tony – moderat zerstört, aber noch lebensfähig.
Größter Verlierer: Thomas – eine vollständige menschliche Katastrophe, pokertechnisch mumifiziert.
Zum Schluss verließ die Runde den Tisch. Patrick und Oli mit dem Lächeln zweier Männer, die heute ein moralisch fragwürdiges, aber dennoch erfüllendes Werk vollbracht hatten. Tony murmelte etwas über „nächstes Mal“ und wirkte dabei so glaubwürdig wie ein Wetterbericht im April.
Thomas dagegen schob seinen Stuhl zurück wie jemand, der ernsthaft überlegt, ob Poker vielleicht doch ein Instrument zur psychischen Kriegsführung ist.
Die nächste Pokernacht wird zeigen, ob Thomas zurückkehrt. Falls ja, verdient er Respekt. Falls nein, versteht es jeder.

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